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Die Sinti

Die Sinti, eine Teilgruppe der Roma, leben bereits über mehr als 600 Jahren in Deutschland. Sie sind Bürger des Landes und bilden zusammen mit den Roma eine ethnische Minderheit mit eigener Sprache und Kultur. Ursprünglich stammen sie aus Indien, wie es die sprachwissenschaftliche Forschung deutet. Die Sinti sprechen Deutsch und als zweite Muttersprache Romanes – eng verwandt mit der altindischen Sprache Sanskrit.

Die Angehörigen der Sinti leben hauptsächlich in Mittel- und Westeuropa, die Roma mehr in Ost- und Südosteuropa. In Deutschland wohnen mehr als 70.000 Sinti im friedlichen Miteinander zusammen mit der übrigen Bevölkerung.
Nennt man sie “Zigeuner“, so ist das ein Name, der als Vorurteil und Diskriminierung sehr negativ angesehen wird.

Leidvolle Erfahrungen der Sinti

Zahlreiche Denkmäler wie dieses in Ravensburg erinnern an die Gräueltaten, die den Sinti während der NS-Zeit widerfahren sind.

Zahlreiche Denkmäler wie dieses in Ravensburg erinnern an die Gräueltaten, die den Sinti während der NS-Zeit widerfahren sind.

Das Leben der Sinti und Roma ist durch die Jahrhunderte hindurch geprägt von Vorurteilen, Ausgrenzung und Diskrimination, sodass ihre Lebensumstände immer schwieriger wurden und sie ins soziale Abseits führten. Durch Hungersnot und Kriege wanderten die Menschen aus und waren als Flüchtlinge mit ihren Familien unterwegs, ohne eine ständige Bleibe zu finden. Doch die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen erlitten sie während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie wurden wie die Juden verfolgt und getötet. Ihre leidvollen Erfahrungen wirken noch bis in die heutige Generation nach.

Selbstorganisation

In den letzten 30 Jahren versuchten die Menschen, sich selbst zu organisieren und ihrer Stimme in der Bundesrepublik Gehör zu verschaffen. Es wurde der „Zentralrat Deutscher Sinti und Roma“ ins Leben gerufen, der ihre Angelegenheiten gegenüber dem Staat und seinen Behörden sowie den gesellschaftlichen Einrichtungen vertritt. So konnten soziale Belange verstärkt durchgesetzt werden.
Auch die Europäische Union hat Regelungen zur Gleichstellung der Minderheiten getroffen.

Künftige Entwicklungen

Neue Einwanderungswellen der armen Bevölkerung – hauptsächlich der Sinti und Roma aus Bulgarien und Rumänien – wegen der gewährten Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 2014 führen derzeit zu heftigen Diskussionen. Bereits im letzten Jahr stieg die Zahl der Einwanderer aus dem Osten sehr stark an. Hier sind die Politiker und auch die Gesellschaft gefragt, rechtzeitig politische Regelungen und Projekte zur Integration zu schaffen sowie Hilfestellungen für das soziale Leben zu ermöglichen. Jedoch darf der Sozialstaat dabei nicht betrügerisch ausgenutzt werden. Aber auch die jahrhundertelange Diskriminierung und Ausgrenzung der Sinti und Roma kann nicht länger fortgeführt werden.