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Die Zigeuner

Betrachtet man die europäischen Bevölkerungsgruppen, dann finden sich in vielen Ländern dieses Kontinents Menschen, die den Sinti, Jenischen und Roma zugehörig sind und die unter dem Oberbegriff der Zigeuner bekannt sind, welcher aber im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden soll. Schon im Jahr 1417 wurde das erste Mal in Lübeck eine Gruppe von Menschen mit dem Wort Zigeuner bezeichnet und über Jahrhunderte war damit fahrendes Volk gemeint, das von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt zog und oftmals auch durch Gaunereien auffiel. Denn so ist es zu erklären, dass das Wort Zigeuner anfangs eine Zusammensetzung aus Zieh und Gauner, also der Ziehgauner war.

Die Zigeuner – heute nicht mehr die Nomaden des frühen Mittelalters

Zigeuner wurden früher auch oft "Fahrendes Volk" genannt.

Zigeuner wurden früher auch oft “Fahrendes Volk” genannt.

Doch was früher eher die Bezeichnung für herumstreunende Banden war, das wandelte sich im 20. Jahrhundert zu einem Namen für eine Volksgruppe, die aber in Wirklichkeit zwei Volksgruppen sind und heute statt Zigeuner Sinti und Roma heißen. In manchen Ländern wurden sie so verfolgt, dass sie als Flüchtlinge lange durch Europa zogen, bis sie endlich eine Heimat finden konnten. Verbindet man mit dem Begriff Zigeuner auch das Leben als Nomade, der mit der Familie in seinem Campingwagen von Ort zu Ort zieht, so leben die heutigen Sinti und Roma oftmals schon seit vielen Generationen an ein und demselben Ort. In Europa fallen diese Familienverbände in der heutigen Zeit vor allem durch ihre Sitten und Gebräuche auf, wobei in den Medien immer besonders die Hochzeitsbräuche dieser Völkergruppen in den Vordergrund gehoben werden.

Die Zigeuner – die Familie ist der Mittelpunkt der Gesellschaft

Bei Sinti und Roma herrscht der Mann und in dieser Männergesellschaft werden junge Frauen noch immer vor dem 18. Geburtstag verheiratet. So gilt die traditionelle Rollenverteilung, dass die Frau für die Küche und die Kinder zuständig ist, der Mann aber das Geld für die Familie verdient. Gehört die zukünftige Frau bis dahin in eine bestimmte Familie, so gehört sie nach der Trauung zu der Familie ihres Mannes. Auch wenn in manchen Ländern schon ein Trend zur Emanzipation der Frau zu finden ist, so gilt doch in der Regel noch die traditionelle Frauenrolle. Menschen, die die Regeln dieser Gesellschaftsform nicht achten, landen vor dem Stammesgericht und diese Zigeuner werden die Achtung seiner Familie verlieren und sind auch von jeglichen Feierlichkeiten innerhalb der Familie vollkommen ausgeschlossen. Ein Mitglied dieser Völker wird sich auch immer als gläubiger Mensch erweisen, wobei als Zeichen der Dankbarkeit die Sinti und Roma gerne Kerzen für Gott anzünden. Der Zigeuner der heutigen Zeit hat immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, aber er ist weit davon entfernt, als herumziehender Vagabund seine Tage zu verbringen.