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Jenisch – die Geheimsprache des fahrenden Volkes

Die jenische Sprache ist kein komplexes Sprachgebilde. Die Sprache ist auf ein bestimmtes  fahrendes Volk aus West- und Mitteleuropa zurückzuführen. Allgemein wird Jenisch auch als Geheimsprache der fahrenden Kaufleute und Krämer bezeichnet. Doch gesellschaftlich war die jenische Bevölkerung nie angesehen und wurde sogar verfolgt. Dennoch haben sich einige Wortfetzen inzwischen in die deutsche Umgangssprache integriert. Aber das Volk der Jenischen ist bisher in keinem europäischen Staat offiziell als Minderheit anerkannt.

Das fahrende Volk – aber keine Zigeuner

Oftmals werden Jenische und Zigeuner über einen Kamm geschoren. Doch beide Kulturen unterscheiden sich extrem voneinander, was besonders in der Sprache deutlich wird. Denn anders als beim Romanes, der Sprache der Roma und Sinti, liegt der Ursprung der jenischen Sprache im deutschen und französischen Raum. Deshalb sind heute auch viele gebräuchliche Wörter wie „ sich über die Maloche ärgern“ oder „ganz im Eimer sein“ in der deutschen Umgangssprache integriert. Dennoch ist heute belegt, dass der enge Kontakt zu Juden und Roma dazu führte, dass einige Elemente der Sprachen ins Jenisch hinein floss. Noch heute leben bis zu 40.000 Menschen mit jenischer Herkunft im deutschsprachigen Raum, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Doch vom einst fahrenden Volk ist heute nur wenig übrig geblieben.

Jahrhundertelange Diskriminierung und Verfolgung eines fahrenden Volkes

Jenische am Lauerzersee in der Schweiz um 1928.

Jenische am Lauerzersee in der Schweiz um 1928.

Denn einst gehörten zum jenischen Volk vor allem Fahrende, die den Beruf des Krämers, Schaustellers oder Scherenschleifers ausübten. Doch immer waren sie Ausgegrenzte der Gesellschaft, was sich bis heute kaum geändert hat. Mit dem Nationalismus in Deutschland begann auch die gnadenlose Verfolgung des fahrenden Volkes. Nicht nur Zigeuner, sondern auch die Menschen, die einen vergleichbaren Lebensstil auslebten, wurden verfolgt und auch ermordet. Doch da die Nationalisten alle „Herumziehenden“ als minderwertige Rasse ansahen, gibt es keine genauen Zahlen über die Anzahl der verfolgten Jenischen. Bis heute hat sich der soziale Stand des Volkes nicht verbessert. Viele von ihnen leben an der Grenze zur Armut in Sozialwohnungen, gehen geringbezahlten Arbeiten nach und haben kaum Bildungschancen. Doch bis heute hat sich eins durchgesetzt: das Jenisch – die Sprache des fahrenden Volkes.